Außenhaltung

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Eine Alternative zur Käfighaltung?

Regelmäßig werde ich dazu befragt, ob man Degus nicht auch in einer Außenvoliere im Garten halten kann. Da ich selbst leider nicht die Möglichkeiten dafür habe, also auch keinerlei Erfahrung darüber besitze, möchte ich Euch einen Erfahrungsbericht von Renate Spekowius zu lesen geben. Herzlichen Dank an dieser Stelle für den interessanten Bericht!




Persönlicher Erfahrungsbericht zur Degu-Außenhaltung von R. Spekowius

" Da ich mich selbst nur an Tieren erfreuen kann, die in (wenigstens relativer) Freiheit leben, kam für mich eine Haltung in einem Käfig, sei er auch noch so groß, auf Dauer nicht in Frage. Über eine Außenhaltung für Degus hatte ich allerdings bislang nicht viel gehört. Also habe ich mit gesundem Menschenverstand diesen Versuch vor 5 Jahren alleine gestartet. Und: es funktioniert gut! Allerdings musste ich am Anfang vielerlei Konstruktionen in zeitintensiver Arbeit wieder ändern. Und da eine ganze Reihe von schwerwiegenden Haltungsfehlern möglich sind, würde ich die Außenhaltung nur erfahrenen Deguhaltern empfehlen.

Meine 19 Degus leben also seit ca.5 Jahren in einem Freigehege, das zu einem Teil überdacht ist, und zum anderen Teil in ein kleines Gärtchen führt, das ihnen gehört, insgesamt ca. 12 qm. Eine Wand ist bis zum Dach hochgemauert, eine andere Wand besteht bis zum Dach aus Holzpaneelen. Die anderen zwei Seiten sind aus mind.1.50 m hohen Glas- und Kunststoffscheiben zusammengestellt. Wenn Marder, Waschbären, Füchse oder große Hunde in der Nähe sind , muss für ein aus nagesicheren Gitterstäben komplett geschlossenes Gehege gesorgt werden. Wer nicht möchte, dass die Mäuschen anfangen, Höhlen ohne Ende auszubuddeln, oder sich unter dem Zaun durchzuarbeiten, muss unter der Erde ebenfalls entweder Drahtgeflecht oder Platten verlegen. Da aber das Buddeln und Graben ein großes Bedürfnis von ihnen ist, sollte man ihnen dazu dennoch eine Möglichkeit verschaffen.

Bei mir stehen im überdachten Teil viele Holzkisten übereinander, dazu ein interessanter Spielplatz zum Klettern, springen und beknabbern. Ein altes ausrangiertes Schränkchen mit vielen Fächern und Löchern in Boden und Wände ist neulich hinzugekommen und ist eine willkommene Neuheit. Mit Heu und anderen Materialien haben Sie sich einen warmen Sitzplatz fürs Mittagschläfchen in einer Kiste selbst gebaut. Mehrere kleine Schälchen mit Sand stehen an verschiedenen Stellen für die Toilette zur Verfügung. Leider benutzen sie diese nicht immer. Ca. alle 9 Monate werden die Holzkisten erneuert (gibt es auf jedem Markt umsonst, das Schränkchen ist vom Sperrmüll). Ein großes Sandbad zum Baden, versteht sich von selbst. Wer stets für genügend Astwerk im Gehege sorgt, wird niemals mit dem Tier zum Tierarzt müssen, um die Zähne in Position zu schleifen zu lassen. Genügend Astwerk bedeutet gesunde Zähne, und das ist für sie lebenswichtig! Für die Nacht und für extrem kalte Temperaturen, ab - 8 Grad bleiben Sie in ihrem Käfig, der auch unter diesem Dach steht, und ebenfalls einen Außen- und einen Innenbereich hat. Der Innenbereich ist ein Aquarium(0,40 m x 1,00 m). Dieses Aquarium hat eine Abdeckung, ist aber wegen des Luftaustausches (Feuchtigkeit) an einer Stelle offen, außerdem können die Kleinen an dieser Stelle in einen anderen Käfig gelangen. Im Aquarium ist u.a. eine geräumige Schlafkiste, die mit Heu im Sommer und mit Schafswolle im Winter gefüllt ist. Für die kalte Jahreszeit ist in diesem Aquarium unter dem Schlaffhaus eine Fußbodenheizung (50 Watt , ca. 25 EUR in der Aquaristikabteilung) verlegt und über dem Kabel liegt eine Kunststoffplatte (Glas könnte springen), so dass die Nager nicht daran gelangen können. Im Schlaffhäuschen sollte eine Temperatur von 16° C –max. 20° herrschen. Da sich die Außentemperaturen ja stets ändern, muss ein Thermostat die Innentemperatur regeln. Denn es darf auf keinen Fall zu warm in dem Häuschen werden. Immer wieder werde ich gefragt, ob die Haltung im Winter auch ohne Heizung geht. Ich würde das nicht empfehlen. Die Kälte ist dabei für die Tiere gar nicht so problematisch. Aber das Nistmaterial wird feucht und schimmelt dann. Auch bei langen Regenperioden im Sommer, wenn die Heizung nicht in Betrieb genommen wird, muss das Nistmaterial öfter kontrolliert, und gegebenenfalls gewechselt werden. Eine weitere Problematik ist kalter, feuchter Wind oder Zug. Daher sind unbedingt windgeschützte Stellen im Gehege einzurichten. Trotzdem bekommen meine Tiere hin und wieder bei solch einer kritischen Witterung tränende Augen. Dass sie dies immer sehr schnell von einem auf den anderen Tag von alleine überwinden, führe ich auf deren gute Abwehrkräfte zurück, die durch 3 Aspekte gegeben sind:

  • Viel Bewegung
  • Genügend Sauerstoff/Sonne
  • Ausgewogene/naturbelassene Ernährung

Meine Degus erhalten einen sehr geringen Anteil Fertigfutternahrung, aber dafür sehr viel Trockenkräuter, in denen Heilstoffe enthalten sind, die das industriell hergestellte Futter nicht hergibt. Mit all seinen künstlichen Zusätzen, wie Farbstoffe, Emulgatoren, Haftmittel, Konservierungsstoffen, etc. halte ich es sogar eher für bedenklich. Meine Tiere bekommen täglich und abwechselnd folgende Trockenkräuter, die sie sehr lieben: Löwenzahn/-wurzel, Gras/Samen, Klee, Luzerne, Brennnessel, Spitzwegerich, Labkraut, Schafgarbe, Zinnkraut, wilder Sauerampfer, Sonnenblumenblätter, Walnussblätter, Haselnuss, Weide, Buche, Möhrenkraut, ab und zu auch etwas besondere Pflanzen wie Hirtentäschel, Käsepappel, Zitronenmelisse, Himbeerblätter und Erdbeerblätter. Alle oben genannten Kräuter außer Brennnessel, Zitronenmelisse und Pfefferminz können in geringen Mengen, 1-2 Mal wöchentlich, auch frisch gegeben werden. Wenn ihre Abwehrkräfte gesteigert werden sollen, gebe ich besonders Bockshornkleesamen, Petersilie, Rinde vom Nussbaum, Birke oder Weide. Meine Tiere erhalten, da sie draußen leben und Fett benötigen, zusätzlich Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Erdnüsse und Walnüsse.


An dieser Stelle nun einige ganz persönliche Tipps für alle verzweifelten Degufreunde, deren Tiere an Diabetes erkrankt sind:

Vor ca. 4 Jahren erkrankten mehrere meiner Mäuschen, zwei davon sehr heftig, an Diabetes. Da ich mich nicht damit abfinden wollte, dass man in diesem Fall nicht viel ausrichten kann, begab ich mich auf die Suche in der Kräuter- und Pflanzenheilkunde. Ich fand verschiedene Kräuter, Wurzeln, Pflanzen etc. deren Wirkungsweise über Jahrhunderte am Tier und Mensch erprobt, für diese Erkrankung in Frage kamen. Diese gab ich meinen Tieren, mit großem Erfolg. Da untenstehende Mittel lediglich an meinen eigenen 19 Tieren über einen Zeitraum von ca.4 Jahren verabreicht wurden, während dieser Zeit außer einer intensiven Beobachtung sämtlicher Symptome, keinerlei wissenschaftlichen Messergebnisse durchgeführt wurden, darf ich hier keine Heilaussagen treffen. Jeder, der untenstehende Ratschläge ausprobieren möchte, möge seine eigenen Erfahrungen damit machen. Schädlich oder gar giftig ist keines der angegebenen Mittel. Es sei vielleicht noch erwähnt, dass ich glaube, dass nur alle Mittel im Verbund den größtmöglichen Erfolg erbringen, die Aloe davon aber eine herausragende Bedeutung hat.

Mein Heiltherapievorschlag für an Diabetes erkrankte Degus:

Es versteht sich von selbst, dass zunächst alle zuckerhaltigen und sehr kohlenhydratreichen Futtermittel sofort einzustellen sind. Mistelkraut, frisch oder getrocknet hat eine wahre Fülle von Heilwirkungen auf den gesamten Organismus, und sollte im Falle einer Erkrankung in jedem Fall täglich gegeben werden, soviel sie davon wollen. Zum Eingewöhnen ist vermutlich ein frischer Mistelzweig (ohne Früchte) besser. Er kann dann solange im Gehege liegen bleiben, bis die Nager durch mehrmaliges ausprobieren festgestellt haben, dass ihnen diese Rinde gut tut. Bei mir dauerte es einige Wochen, bis sie diesen Zweig angerührt haben. Inzwischen lieben sie die Mistel, egal ob frisch oder getrocknet. Gut ist auch die einjährige Klettenwurzel, wer dran kommt. Diese gilt als inulinhaltig und belastet somit nicht den Zuckerstoffwechsel. Topinambur- Knollen sind die wahren Helfer, wenn die kranken Tiere ständig Heißhunger haben. Die Topinambur macht nämlich gut satt (2-4 Scheibchen pro Tier/Tag reichen), belastet die Bauchspeicheldrüse nicht, da auch inulinhaltig , und senkt den Blutzuckergehalt. Zinnkraut ist ein weiteres wichtiges Heilkraut, welches die belastete Niere unterstützt. Im Sommer findet man in der Natur mitunter massenhaft davon. Verwendet werden nur die jungen Wedel - frisch und für den Winter getrocknet. Die Brennessel zählt zu den besten blutreinigenden Mitteln und zu den gesündesten Tierfuttermitteln überhaupt, ist reich an Mineralstoffen und wird getrocknet sehr gerne von meinen Nagern verputzt. Birkenblätter bringen Ansammlungen von Harnsäure im Blut und in den Geweben zur Ausscheidung und werden Zuckerkranken im Anfangsstadium wärmstens empfohlen. Einen wahren Heißhunger haben meine Mäuschen nicht auf die Rinde oder die Blätter. Aber hin und wieder nehmen sie ein wenig davon gerne an. Getrocknete Walnussblätter und frische Rinde hingegen mögen sie sehr gerne. Diese gelten auch als blutreinigend und werden Zuckerkranken ebenfalls empfohlen.

Das gekaufte Knabberfutter kann mit ganzen Haferkörnern, getrockneten Löwenzahnwurzeln und getrockneter Kürbis angereichert werden. Auf keinen Fall unsere gezuckerten Haushalts-Haferflocken anbieten! Einige Tropfen aus dem frischen Aloeblatt (kein industriell hergestellter Saft) in das Trinkwasser gemischt, ist zwar eine echte Umgewöhnung, aber die beste Heiltherapie überhaupt! (Mit einem Tropfen in 100 ml Wasser beginnen und die Menge allmählich steigern). Da für uns Menschen die Aloe ebenfalls ein außerordentlich gesunder Vitamin- und Mineralstoffquell ist, empfehle ich diese Kur gleich mitzumachen. Eine kleine geschälte Scheibe Blattgel wird mit einem Handmixer in etwas Wasser verflüssigt. Diese Vorratstinktur kann eine Woche ohne Vitaminverluste im Kühlschrank aufgehoben werden. Die besten Blätter bekommt man bei Santa Verde in Hamburg. Oder man kultiviert selbst eine Pflanze im Garten, dann muss man aber bis zur ersten Ernte mindestens zwei Jahre warten.

Als zwei meiner besten Hauptnachschlagewerke dienten mir dabei folgende Ratgeber:

1. Kapillaren bestimmen unser Schicksal/ Aloe Kaiserin der Heilpflanzen – Michael Peuser 2. Das große Handbuch der Heilkräuter – Richard Willfort


Im Sommer finden meine Tiere im Gärtchen angewehte Blätter, die Sie fressen oder abschleppen, frisches Gras, und vor allem lauen Wind und Sonne. Zentral im Gärtchen steht eine große Baumwurzel und mehrere Baumstümpfe, unter denen sie spielen, buddeln und sich verstecken. Diese werden allerdings nach zwei bis drei Jahren von Pilzen befallen. Wessen Geldbeutel also dick genug ist, besorgt sich ein paar schöne große Findlinge. Sie dienen hervorragend als Ausguck und selbstverständlich gibt es immer etwas zu bestaunen, - die zwitschernden Vögel und neugierigen Eichhörnchen auf den nahestehenden großen Apfelbaum, die Hühner, die am Gehege vorbei flanieren. Oder ja, - Gründe für einen Alarm im Mäuseland gibt es auch immer genug, - wenn die Katzen lauern kommen, ein unbekannter Vogel kreischt, oder wenn ein Sturm aufzieht. Die Gefahr einer Krankheit schätze ich bei einer solchen Haltung für weitaus geringer ein, natürlich wenn man keine groben Haltungsfehler begeht. Allerdings glaube ich auch, dass meine Mäuschen recht unangenehme Tage erleben müssen. Tage an denen es stürmt und schneit, aufeinander folgende Tage, an denen man das Nest nicht einmal zum Fressen verlassen will. Aber es kommen auch wieder gute Tage, an denen sie voller Freude in ihrem Gärtchen herumspringen und dann sehr, sehr zahm sind. Und ist es nicht gerade das, was ein Leben lebenswert macht, mit all seinem Facettenreichtum an Schönem und Schrecklichem, mit seinen höchsten Höhen und tiefsten Tiefen? Die Alternative zu solch einem Leben, ist die Langeweile, und das möchte ich in meinem Leben nicht haben, und auch meinen Lieblingen nicht zumuten.

Tierfreunde, die keine Möglichkeiten für eine Außenhaltung haben, mögen unseren vierbeinigen lebhaften Gesellen zumindest einen Platz mit Sonneneinstrahlung in einer großen Zimmervoliere frei machen, oder lieber ganz auf eine Haltung verzichten.

Ich grüsse alle, die Tiere mögen und ihre Entscheidungen immer nach dem Wohl des Tieres treffen."

Renate Spekowius

02.02.2007 www.ArtandAnimals.de


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